Wilhelm Felix Kipp - Gefallene des Ersten Weltkriegs aus Raesfeld

Heimatverein Raesfeld e. V.
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Wilhelm Felix Kipp

Wilhelm Kipp
Name:Kipp
Vorname(n):Wilhelm Felix
geboren am:19.11.1890
in:Raesfeld
vermisst:21.11.1914
in:bei Brzeziny, Polen
Gedenkstätte:Friedhof Raesfeld
Dienstgrad:Grenadier
Beruf:
Kaufmann
Eltern:Johann Kipp und
Josephine geb. Böckenhoff,
Bruder von Ignatz Kipp
Personalien: Wilhelm Felix Kipp, geb. den 19.11.1890 zu Raesfeld, zuletzt wohnhaft in Heiden, leitete dort eine Filiale des elterlichen (Textil-) Geschäftes, ledig.
Zusatz: in Polen vermisst.

Feldpost:

05.08.1914: "Glücklich in Coesfeld angekommen. Ein ganz toller Betrieb. Um 04:00 Uhr geht es los nach Spandau."

06.08.1914: "Nach endloser Fahrt in Spandau angekommen. Bin wieder bei meiner Kompanie und treffe lauter Bekannte."

13.08.1914: "Gestern haben wir Spandau verlassen, und jetzt befinden wir uns auf der Fahrt nach Frankreich hinein. Meine Adresse: 4. Kompanie, 1. Bataillon Garde-Grenadier-Regiment Nr. 5, 5. Garde, Infanterie-Brigade, 3. Garde Infanterie-Division – Garde-Reserve-Corps."

18.08.1914: "Punkt 11:00 Uhr überschritten wir gestern die belgische Grenze. Jetzt sind wir schon 50 km ins Land hinein. Gerade liegen wir hier in der Wiese und sind am Futtern."

Namur, den 24.08.1914: "Wir haben seit Donnerstagabend Namur belagert. In der Nacht erhielten wir unsere Feuertaufe. Wir wurden nämlich von den Forts aus mit Artillerie beschossen. Samstagnachmittag erhielten wir ein ganz fürchterliches Artilleriefeuer und hatten da auch die ersten drei Toten und 23 Verwundete in der Kompanie. Ich selber bin Gott sei Dank verschont geblieben, obschon mir die Granatsplitter um die Ohren sausten. Unser Hauptmann ist als erster Verwundeter aus dem Schützengraben getragen worden. Wir im 3. Zug haben ein Maschinengewehr erobert. Heute Abend marschieren wir in Namur ein."

26.08.1914: "Namur haben wir gestern verlassen. Dort haben wir keine ruhige Minute gehabt. Wir liegen jetzt in Nosses vor der französischen Grenze. Wir werden aber französischen Boden nicht betreten, da unser Corps von hier aus nach Russland abberufen ist. Wir gehen von hier zu Fuß nach Aachen und dann zum Osten. Das wird eine wunderbare Fahrt werden."

05.09.1914: "Heute vor acht Tagen hatten wir Quartier in Aachen. Samstag vorher das furchtbare Gefecht vor Namur. Die Spandauer Garde war als erste in Namur. Angeblich hatten wir unser Fort als erste zum Schweigen gebracht. In dem Orte, wo wir jetzt sind, waren schon vor einigen Tagen die Kosaken. Uns Raesfeldern geht es gut. Gestern traf ich Lehmbrock. Bernhard Groß-Thebing ist bei der Feld-Artillerie als Schießer. Sonst habe ich außer Bischop und Johann Grotendorst noch keine Bekannten getroffen.“

12.09.1914: "Bei Allenburg haben wir die Russen zurückgeworfen und sind jetzt auf der Verfolgung."

27.09.1914: "Hinter Tarnowitz haben wir gestern die Grenze überschritten. Die Gegend ist recht traurig, Straßen kennt man kaum."
08.10.1914: "Heute haben wir wieder einen Ruhetag. In der letzten Zeit hatten wir sehr nasses Wetter und immer anstrengende Märsche. Die Leute verkommen in ihrem Schmutz und liegen wir heute in einer besonders dreckigen Bude. In den Straßen liegt der Dreck 20 cm tief und riecht fürchterlich."

14.10.1914: "Seit 14 Tagen sind wir im Gefecht, dabei hat es zwei Tage heftig geregnet und haben wir die Nacht draußen verbracht. Seit vier Wochen waren wir kaum im Quartier und seit 14 Tagen haben wir uns nicht mehr gewaschen. Liegen jetzt vor Iwangorod an der Weichsel, südlich von Warschau."

16.10.1914: "Die Sachen habe ich gestern nach sehr blutiger Schlacht empfangen. Gestern um 06:00 Uhr losgerückt, um 08:00 Uhr mit den Russen ins Feuer. Wir lagen uns im Wald 150 m gegenüber und stürmten nach 20 - 25 Minuten bereits die Stellung. Leider sind 74 Mann von der Kompanie liegen geblieben, unter ihnen auch Bischop, der bereits beerdigt ist. Die Russen hatten aber noch ganz andere Verluste, sie liegen haufenweise hinter den Schützengräben."

26.10.1914: "Augenblicklich in heftigem Artillieriefeuer. Vorgestern haben wir noch mit dem Bajonett "gearbeitet"."

Zarki, den 09.11.1914: "Ich bin jetzt schon bald ¼ Jahr im Felde, doch die Zeit vergeht sehr schnell, weil es an Abwechslung nicht fehlt."

+ 21.11.1914 bis + 24.11.1914

06.12.1914: Verein des Roten Kreuzes in Frankfurt: "Betrifft Kipp, Wilhelm. Wir erfahren, dass der Genannte vermisst oder gefangen ist."

Der Divisíonsgeistliche Johann Kipp (Bruder von Wilhelm) 13.01.1915: "Weihnachten kam ein Paket mit dem Vermerk zurück: "verwundet – Aufenthalt unbekannt". In Krefeld hörte ich von einem Husaren, dass die Garde-Regimenter beim Durchbruch die Hauptarbeit geleistet hätten und daher große Verluste erlitten hätten."

Militärische Anmerkung: Die 3. Garde-Infanterie-Division hat unter General Litzmann am 24.11.1914 den berühmten Durchbruch bei Brzeziny erzwungen, so dass anzunehmen ist, dass Wilhelm Kipp hierbei seinen Tod gefunden hat.

Wilhelm Kipp
Josephine Kipp aus Raesfeld hatte acht Söhne: Joseph,  Johannes, Bernhard, Gerhard, Rudolph, Wilhelm,  August und Ignatz. Alle Brüder waren im Ersten Weltkrieg aktiv, bis auf Wilhelm und Ignatz haben alle den Krieg überlebt. Johannes war Jesuitenpater und als Feldgeistlicher eingesetzt, u.a. in Czestochowa, Tomaszów, Biala, Lódz oder Vilnius. Gekämpft haben die  Brüder sowohl an der West-, als auch an der Ostfront.
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