Johann Grotendorst - Gefallene des Ersten Weltkriegs aus Raesfeld

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Johann Grotendorst

Gefallene I. WK > F - Ha
Name:Grotendorst
Vorname(n):Johann
geboren am:06.10.1889
in:Raesfeld
gestorben:11.11.1914
in:Zalence (Polen)
Gedenkstätte:Friedhof Raesfeld
Dienstgrad:Unteroffizier der Reserve
Beruf:
Maurer
Familie:ledig,
Bruder des
Bernhard Grotendorst
Johann Grotendorst
Der Unteroffizier der Reserve des Königlich-Preußischen 5. Garde-Regimentes zu Fuß, Johann Grotendorst, geboren in Raesfeld am 06.10.1889, katholisch, Maurer, ledig, also 25 Jahre ein Monat alt, ist am 11. November 1914 in der Seuchen-Baracke zu Zalesze an Ruhr gestorben. Bruder des Bernhard Grotendorst.

Aus Feldpostbriefen:

02.08.1914: "Schon fünf Tage habe ich das Elternhaus verlassen, um mich dem Vaterlande zur Verfügung zu stellen. In Gescher wurden die Krieger mit Musik zum Bahnhof gespielt. Wenn auf dem Transport der Zug stand, waren die Mädels aus der Stadt sofort damit beschäftigt, uns zu bewirten. Macht Euch um mich keine Sorgen, es kommt doch, wie es von oben bestimmt ist."

12.08.1914: "Endlich hat die Abschiedsstunde geschlagen. Wir ziehen heute um 11:00 Uhr los."

16.08.1914: "Morgen werden wir auf jeden Fall die Grenze überschreiten. Heute um 01:00 Uhr kamen wir in Schossen an (1 ½ Stunde von der belgischen Grenze)."

26.08.1914: "Am 22. nachmittags um 04:00 Uhr ging es zum ersten Mal ins Gefecht. Schon bald fiel ein Unteroffizier und ein Mann und mehrere wurden verwundet. Am 23. ging es wieder in eine blutige Schlacht. Da waren wir soweit vorgekommen, dass wir nicht mehr vor- noch rückwärts konnten. Von allen Seiten wurden wir beschossen, es war der reinste Kugelregen. Am 24. standen wir morgens um 07:30 Uhr in Namur oben auf der Festung. Unsere Kompanie war zuerst dort. Die belgische Flagge wurde sofort heruntergeholt und unsere angebracht. Nachmittags wurde noch ein Fort gestürmt. Es liegen nämlich sieben Forts um die Festung. Abends um 11:00 Uhr war Alarm. In drei Minuten standen wir alle mit aufgepflanztem Seitengewehr auf dem Marktplatz. Sobald wir standen, kam ein fürchterlicher Kugelregen aus Fenstern und Türen auf uns hernieder. Hinter den Wagen suchten wir Deckung. Zuletzt haben wir sämtliche Häuser, aus denen geschossen wurde, angezündet. Am anderen Morgen lagen die toten Pferde noch überall in den Straßen herum. Am 26. kam mittags der Befehl: "Die 5. Brigade geht sofort nach Aachen und dann nach Russland."

29.10.1914: "Wir haben jetzt vierzehn Tage ununterbrochen im Feuer gestanden. Als nun unsere Kräfte ganz erschöpft waren, dachten wir, wenn die Österreicher kommen, geht es besser.
Aber da hatten wir uns geirrt. Die wurden nämlich überall zurückgeschlagen. Wir hatten schon bis zur Weichsel alles vom Feinde gesäubert. Aber weiter ging es nicht, weil wir zu schwach wurden. Einige Kompanien von 160 Mann haben jetzt nur noch 40 Leute. Die Kugeln sind mir schon um den Kopf gesaust, dass es nicht mehr schön war. Mein Nebenmann fragte mich schon: "Bist Du getroffen?" – Dann sagte er: "Da hast Du aber Glück gehabt."
 
31.10.1914: "Vom 10. bis 26. haben wir dauernd im Gefecht gelegen. Am 15. Oktober ist in einem schweren Waldgefecht Bernhard Bischop gefallen. Ich habe sofort meinen Leutnant gebeten, zu den Grenadieren gehen zu dürfen, um mich zu erkundigen. "Er war sofort tot", sagten seine Nebenmänner. Wir ziehen uns jetzt langsam bis zur deutschen Grenze zurück und gehen dort in befestigte Stellungen. Dann kann der Russe nur kommen. Am 28.10. wurde ich Unteroffizier. Mir geht es sonst noch sehr gut."

Auf einer Karte vom 19.10. wird die Krankheit erwähnt, die allem Kämpfen ein schnelles Ende setzte: "In letzter Zeit ist hier die Ruhr ausgebrochen."

+ 11.11.1914

Die Hedwigschwester der Gemeinde Zalenze schreibt am 17.11.: "Er kam Samstag, den 07. November todkrank bei uns an. Seine Kameraden, die mit ihm kamen, sagten, er hätte sich nicht krank gemeldet, sondern solange geschleppt, bis er zusammengebrochen ist und nicht mehr weiter konnte. Deshalb war auch keine Hilfe mehr möglich. Sonntag wurde er schon mit den Hl. Sakramenten versehen."

"Diese Krankheit beginnt mit Fieber, Erbrechen und häufigem blutigen Stuhl. Die Kranken  haben große Schmerzen. Ihren Sohn haben wir durch Spritzen noch einige Tage am Leben erhalten. Er war aber bei vollem Bewusstsein und erzählte, dass er auch zwei Schwestern im Kloster habe. Auf unsere Frage, ob er noch einen Wunsch habe, sagte er: "Nein." Seine Stiefel saßen so fest an den Füßen, dass wir sie aufschneiden mussten."

Der Gemeindevorsteher übersandte den Eltern dann noch die letzten Habseligkeiten: ein Portemonnaie mit 45,10 Mark, 14 Cents in belgischem Geld und 30 Pfennigen in Briefmarken, ein Brustbeutel, ein Soldbuch, ein Feldgesangbuch, ein deutsch-französischer Sprachführer und eine Brieftasche mit einer Anzahl Briefen und Karten.
Johann Grotendorst
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